Lektion 2019: Routinen statt Vorsätze

Alle Jahre wieder gehört es zum guten Ton, sich Vorsätze für das neue Jahr zu machen. Mir ging es lange Zeit so, dass ich einfach die gleichen Vorsätze aufgestellt habe, an die ich mich im abgelaufenen Jahr nicht gehalten habe. „Ich bin damit noch nicht fertig, ich brauche halt etwas länger“ war meine eigene Rechtfertigung. Wenn ich ehrlich zu mir bin, war dieses Vorgehen einfach am bequemsten. Anfang 2019 bin ich bewusst aus dieser Komfortzone ausgetreten und habe mich damit beschäftigt, wie ich das, was ich erreichen möchte, auch wirklich erreiche.

„Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.“ – Albert Einstein

Bei der Durchsicht meiner Notizen von Anfang 2019, bin ich auf interessante Einträge gestoßen. Ende 2018 habe ich das Buch „Minimalismus – der neue Leicht-Sinn“ von Ryan Nicodemus gelesen und mich bei meiner Zielsetzung für 2019 an seinen 5 Lebensbereichen Gesundheit, Beziehungen, Leidenschaften, Weiterentwicklung und soziales Engagement orientiert. Nachdem 2017 und 2018 meine Gesundheit und auch meine  Beziehungen unter meinem Beruf gelitten haben, habe ich für mich das Jahr 2019 unter das Motto gestellt „Me, family & friends first“ und ich bin sehr glücklich, dass ich diesen Gedanken das gesamte Jahr über verinnerlicht habe.

Für dieses so erfolgreiche Jahr waren für mich 2 Dinge entscheidend:
1. Der Aufbau konsequenter Routinen
2. Das Eintreten richtungsweisender, singulärer Ereignisse
In diesem Artikel berichte ich euch, wie ich mithilfe konsequenter Routinen in 2019 mein Gewicht reduziert, 23 Bücher gelesen und viel Zeit mit meinen Lieben verbracht habe.


Auswahl der richtigen Routine

Es gibt viel Literatur zum Aufbau und zu den Vorteilen von Routinen und Gewohnheiten. Viele Menschen denken bei dem Thema sofort an das Beispiel des Fitnessstudios. Gerade zu Beginn des Jahres nehmen sich viele vor, mehr Sport zu machen und wundern sich, dass nach der Anmeldung im Fitnessstudio der Traumkörper nicht automatisch mit geliefert wird. Der Anmeldung folgen dann meist 1-2 ambitionierte Monate, in denen man sich zum Studio quält und danach froh über jeden Vorwand ist, warum man es gerade heute nicht hin schafft. Ich kenne diese Herausforderung aus persönlicher Erfahrung und auch aus meinem näherem Umfeld. Klarerweise fällt es Menschen mit Disziplin einfacher, Routinen zu etablieren, entscheidend ist meiner Meinung nach aber vielmehr, inwieweit eine Routine zum selbst gesteckten Ziel passt. Für mich, und vermutlich viele andere auch, ist das Fitnessstudio nicht die richtige Antwort auf die Frage, wie ich mehr Sport treiben kann. Mein Bedürfnis nach Flexibilität mit meinem Ziel, 5 kg abzunehmen haben mich schließlich auf das Joggen gebracht, das ich, zu jeder Tageszeit und wann immer und wo immer ich möchte, machen kann.

Die richtige Methode

Mein Umfeld spricht mir zu, dass ich ein strukturierter Mensch bin. Für mich ist es wichtig, dass ich den Fortschritt meiner Zielerreichung regelmäßig messe und dadurch schnell eingreifen kann, wenn ich auf dem Holzweg bin. Da ich beruflich viel in der Zahlen-Daten-Fakten-Welt unterwegs bin, haben mir die folgenden zwei Ansätze sehr beim Aufbau meiner Routinen geholfen.

A. Input vs. Output Ziele – also die Frage: Was gebe ich oben rein und was soll unten heraus kommen? Generell sind Output-Ziele, insbesondere im Geschäftlseben effektiver und von höherer Priorität, denn wichtig ist am Ende das Ergebnis. In einem Unternehmen ist es relevanter, wie viel Umsatz im Monat gemacht wird, als wie viele Verkäufer wie viele Verkaufsgespräche geführt haben. Meiner Ansicht nach gilt dies für den Aufbau konsequenter Routinen nur eingeschränkt. Meinem Output-Ziel 5kg abzunehmen unterliegt eine Annahme, was ich konkret tun kann, um dies zu erreichen. Ich nahm Anfang des Jahres an, dass, wenn ich min.3 Mal pro Woche joggen gehe, ich dieses Ziel erreichen und halten kann. Dieses Input-Ziel ist für den Aufbau einer Routine aus dem Grund wichtiger, weil Routinen langfristig aufgebaut und regelmäßig gemessen werden sollen. Insbesondere zu Beginn hatte ich kein gutes Gefühl dafür, ob 3 Mal joggen pro Woche ausreichen, um 5 kg abzunehmen oder ob ich nicht öfter gehen sollte oder mit einer gesünderen Ernährung nicht viel schneller an mein Ziel komme. Mit der Wahl eines Input-Ziels stellst du dich wesentlich flexibler auf, denn auf der einen Seite kannst du einfach mal anfangen und auf der anderen Seite ist der Input ja nicht in Stein gemeißelt und jederzeit anpassbar, wenn du merkst, dass er nicht zum Output passt. Du hast es dabei selbst in der Hand und bestimmst die Wirkung auf dein Output-Ziel.

B. Personal Health Scores: John Doerr hat mit seinem Buch „Measure What Matters“ mit dem OKR-Model (=Objectives and Key Results) ein neues Ziel- und Zielsetzungsmodell eingeführt, das – durch Google als Vorreiter – mittlerweile sehr stark in der Unternehmenswelt verbreitet ist. Einen Nebenschauplatz nehmen dabei die sogenannten „Health Scores“ ein. Health Scores sind keine klassischen Ziele, sondern dauerhafte Indikatoren, die dir zeigen, dass du auf dem richtigen Weg bist. In einem Software-Unternehmen könnte dies die durchschnittliche Uptime des Servers sein. Es wird also ein Grenzwert festgelegt, der nicht dauerhaft unterschritten werden sollte. Wie beim Aufbau einer Routine steckt hier ein Gedanke der Langfristigkeit hinter. Wenn dein(e) Health Score(s) mal ein oder zwei Wochen nicht erreicht werden, ist das kein Weltuntergang, solange du dir bewusst machst, wie du es langfristig schaffst, sie zu erreichen. Ich empfehle eine wöchentliche Messung der Health Scores. Ich schaue mir montags morgens an, inwieweit ich meine Health Scores erreicht habe und was ich tun muss, um sie in der aktuellen Woche zu erreichen. So habe ich sie ständig vor Augen. Ich empfehle außerdem, nicht mehr als 4-5 Health Scores, weil sie alle um deine Zeit konkurrieren und du sonst zu viele Kompromisse eingehst.

Als Beispiel zeige ich euch hier meine Health Scores für 2019, deren Werte ich immer mal wieder im Laufe des Jahres angepasst habe, damit sie weiterhin auf meine Output-Ziele ausgerichtet sind. Zur Erinnerung: Mein Motto für 2019 war „Me, family & friends first“.

  • Arbeitszeit im Büro <= 50h pro Woche
  • Anzahl Sport- oder Yogaeinheiten  >= 4 pro Woche
  • Anzahl Lese-Sessions >= 3 pro Woche
  • Anzahl Meetups / Telefonate mit Freunden oder Bekannten >= 3 pro Woche

Für mich passen diese Health Scores sehr gut, für andere vermutlich in dieser Form gar nicht. Entscheidend ist die Frage, welche Intention du mit einer Routine verfolgt und welche Maßnahmen dich persönlich motivieren und disziplinieren. Das schönste an den richtigen Routinen ist, dass sie – wenn richtig gewählt – schneller als gedacht zu Gewohnheiten und später Automatismen werden und damit bereits fest und zügig in dein Leben eingebunden werden können. Dann benötigen sie weniger Disziplin und weniger Aufmerksamkeit.  

Noch eine wichtige Lektion, die ich Laufe des letzten Jahres gemacht habe: Routinen verfolgen keinen Selbstzweck. Routinen selbst stellen kein erstrebenswertes Ziel dar, sondern unterstützen mich dabei, die wirklich wichtigen Ziele fokussiert anzugehen und zu erreichen. Für mich sind meine physische und mentale Gesundheit sowie mein soziales Leben in vertrauensvollen Beziehungen mit neuen Impulsen mein Fundament, das gesund sein muss, damit ich erfolgreich handeln kann.

3 Gedanken zu „Lektion 2019: Routinen statt Vorsätze

  1. Maltinho

    Spannende Gedanken. Danke fürs Teilen!

    Im Grunde bestätigt vieles davon die alte Regel, dass Ziele unter anderem spezifisch und realistisch auf der einen Seite sowie quantifizierbar auf der anderen Seite sein sollten, um wirklich praktikabel zu sein. Zu „spezifisch“ zählt für mich auch eine Verbildlichung der Außenziele, um ein Ziel vor Augen zu haben („warum will ich das?“). Realistisch setzt für mich voraus, dass man sich Gedanken macht, was (in welchem Zeitrahmen) nötig ist, um den gewünschten Output zu erreichen. Wenn man das quantifiziert, merkt man schnell, ob die Herrangehensweise sinnvoll erscheint!

    btw: Solche Strategien lassen sich auch hervorragend auf auf die „Arbeitswelt“ anwenden.

    Bin gespannt auf mehr….

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  2. Kevin Merken

    Vielen Dank für deine Gedanken. Die Verbildlichung der Außenziele ist ein sehr spannender Ansatz und total zielführend! Dass Ziele spezifisch sein sollten ist für mich die wichtigste Eigenschaft von Zielen – vielleicht aber für einige gar nicht so naheliegend. Im BWL- und vermutlich auch in anderen Studiengängen werden Zielansätze ja aber hoch- und runtergebetet.
    Der Gedanke der Health Scores kommt ja sogar aus der Arbeitswelt, meine Erfahrung ist aber, dass ihnen dort oft wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird.

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  3. Pingback: Meine 3 Empfehlungen, wie du deine Arbeit endlich schaffst – 9toLife

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